Energiepreis führt zur Verknappung der Nahrungsversorgung, Manfred G. Raupp
30.04.2008 | 0 Bewertungen | 1 Kommentare | Zeitgeschehen © Energiepreis führt zur Verknappung der Nahrungsversorgung, Manfred G. Raupp
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M.G.Raupp ist Diplomlandwirt und Inhaber der DR.RAUPP E.K. Die Preiskapriolen am weltweiten Energiemarkt gefährden die Nahrungsversorgung großer Bevölkerungskreise.
Die Nahrungsmittelproduktion ist weltweit gekennzeichnet durch das Polypsom auf der Anbieterseite und einem Oligopol auf der Erfassungsseite der verschiedenen Agrar-Marktsegmente. Dies führt zu erheblichen Preisausschlägen bei nur geringer Unter- oder Überversorgung mit Nahrungsmitteln. Seit der Diskussion um die Bioenergie kommt die weltweite Spekulation hinzu. Riesige Geldmengen suchen Anlagemöglichkeiten in den florierenden Rohstoffmärkten und diese haben seit einem Jahr auch die weltweiten Getreidevorräte im Blick.
Die mittelfristige Mengen- und Preisschwankung in der landwirtschaftlichen Produktion sind durch naturbedingte Zeitverzögerungen gekennzeichnet. Am bekanntesten ist der „Schweinezyklus“. Zum Beispiel werden bei hohem Preis für Schweinefleisch vermehrt Sauen bedeckt was nach ca. 230 Tagen zu erhöhtem Schweinefleischangebot und dann fallenden Preisen führt - dies veranlasst dann die Bauern Sauendeckungen einzuschränken mit umgekehrten Vorzeichen für die Schweinepreisentwicklung. Bei Ackerfrüchten beträgt der Zyklus für die Reaktionsmöglichkeit der Landwirte naturgegeben mindestens ein Jahr, für EU-Stillegungsflächen kann er bis zu 5 Jahren betragen.
Innerhalb Jahresfrist hat sich nun der Weizenpreis verdoppelt und ein weiterer Anstieg für den Preis dieses wichtigsten Produkts der Welternährung ist nicht auszuschließen. Getreide ist lagerfähig, verträgt lange Transportwege und wird seit Jahrzehnten an der Börse gehandelt.
Was sind die Gründe für diesen aktuell hohen spekulativen Preis des Getreides?
Einerseits liegen die aktuellen Getreidelagermengen und die prognostizierten weltweiten Ernten für 2008 um 7-10 % über dem Vorjahr. Andererseits nimmt die Zahl der weltweiten Bevölkerung seit Jahren um 1,5% jährlich zu. Auf der Nahrungsseite kommt ein Mehrverbrauch durch den zunehmenden Fleischkonsum in vielen Ländern u.a. China und Indien hinzu. Um nämlich 1 kg Fleisch zu erzeugen werden 3-6 kg Futtergetreide benötigt was zu einer Nachfragesteigerung um weitere 1 % der weltweiten Getreidenachfrage führt. Der aktuelle Angebotsüberschuss an Getreide von mehr als 7 % wäre normalerweise ein Grund für drastisch sinkende Getreidepreise an der Börse.
Die größte Nachfragesteigerung für Getreide kommt seit einiger Zeit preisbedingt aus dem Energiesektor. In den USA werden bereits bis zu 20 % des Körnermaises in der Energiewirtschaft eingesetzt. Auch in europäischen Feuerungsanlagen wird Getreide als Substitut für Öl, Gas und Holz verwendet. Getreide hat einen hohen Heizwert und ist im Vergleich zu Heizöl sehr preisgünstig.
Nach aktuellen Untersuchungen dürfte der größte Teil des beobachteten Preisanstiegs bei Getreide auf die steigenden Energiepreise und die damit zusammenhängende Spekulation zurückzuführen sein. So hat jetzt der Energiepreis auch direkten Einfluss auf die Nahrungsversorgung genommen. Bald wird der Durchschnittshaushalt der bisher 12 % des Familieneinkommens für Nahrungsmittel ausgegeben hat wieder 20 % ausgeben müssen, ganz abgesehen von den Entwicklungsländern, deren Bevölkerung die aktuellen Preise nicht zu leisten vermag. Darüber hinaus beginnen inzwischen einige arme Staaten zur Devisenbeschaffung Getreide zu exportieren was den dortigen Nahrungsmangel noch erhöht. Hungernde Menschen bei gleichzeitiger Verfeuerung von Nahrungsmitteln ist die Situation aus der „Nahrungsmittelkriege“ entstehen können.
Wegen der steigenden Weltbevölkerung von 6.5 auf ca. 8 Mrd. Menschen in den nächsten 20 Jahren und der begrenzten Geldmittel die für Nahrungsmittel zur Verfügung stehen werden, dürfte die Preisentwicklung für Getreide weiter für politischen Wirbel sorgen. Bedrohliche Auseinandersetzungen und Kampf ums Brot werden immer wahrscheinlicher.
Es wird allerhöchste Zeit durch friedenstiftende politische Maßnahmen die Preistreiberei an den Weltmärkten für Energie zu begrenzen und die Stillegungsflächen der europäischen Landwirtschaft – die immerhin 15 % der Ackerflächen ausmachen – wieder in Produktion zu nehmen.
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